Details
ISBN/EAN: 978-6-19-940880-3
Einband: kartoniertes Buch
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Auflage:
1. Auflage 2026
1. Auflage 2026
Erschienen am:
21.08.2026
21.08.2026
Sprache:
Deutsch
Deutsch
Umfang:
272 S.
272 S.
Format (T/L/B):
1.9 x 21.5 x 13.5 cm
1.9 x 21.5 x 13.5 cm
Hersteller:
BoD - Books on Demand
info@bod.de
In de Tarpen 42
DE 22848 Norderstedt
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Hinter den Dünen beginnt das Leben
Sylt. Ein Roman aus der Inselwelt von Frau Erdbeerstern, Die Inselwelt von Frau Erdbeerstern 1
18,99 €
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Beschreibung
"Sylt war für sie nie nur eine Insel gewesen. Es war ein Gefühl." Mit 58 Jahren löst Lina ein Versprechen ein, das sie sich als junges Mädchen gegeben hat: ein Leben auf Sylt. Zwischen Dünen, Meer und dem kleinen Reetdachhaus ihrer Schulfreundin Rosa findet sie einen Ort, an dem ihr Herz zur Ruhe kommt. In ihrem kleinen Atelier begleitet sie Menschen mit ihren Karten auf dem Weg zu neuen Perspektiven und neuem Vertrauen. Eine unerwartete Begegnung berührt ihr Herz. Doch das Schicksal hat eigene Pläne. Eine schmerzliche Wendung stellt alles auf den Prüfstand und zeigt Lina, dass sich ein anderer Lebensweg zu entfalten beginnt. Einer, der alles verändert. Ein warmherziger Inselroman voller Nordseeluft, Freundschaft und Hoffnung. Eine Geschichte, die noch lange nach der letzten Seite nachklingt.
Leseprobe
Wo alles beginnt Lina stand zwischen halb gepackten Kisten in ihrer Altbauwohnung, barfuß auf dem knarrenden Parkett. In ihrer Hand lag eine kleine Muschel, die sie seit fast vierzig Jahren begleitete. Sobald ihre Fingerspitzen die raue Oberfläche berührten, war alles wieder da. Sie drehte die Muschel langsam zwischen den Fingern. Einen Atemzug lang verschwand das Knarren des Parketts. Stattdessen hörte sie das Rauschen der Brandung, spürte den Wind auf ihrer Haut, roch Salz. Sylt. Erst das Hupen eines Autos unten auf der Straße holte sie zurück. Weiß, unscheinbar und an einer Stelle leicht abgeplatzt, war die Muschel für andere kaum mehr als ein Fundstück vom Strand. Für Lina jedoch war sie ein Versprechen. Als Kind war sie mit ihren Eltern jeden Sommer auf die Insel gefahren. Sie war barfuß durch den Sand gerannt, die viel zu großen Jackentaschen voller Muscheln, und hatte fest daran geglaubt, dass das Meer jedes Geheimnis kannte. Sie hatte die ruhigen Tage genauso geliebt wie jene, an denen der Wind an der Jacke zerrte und die Nordsee ihre ganze Kraft zeigte. In Mütze und Schal eingemummelt am Strand zu stehen und dem Sturm zu trotzen, gehörte zu ihren schönsten Erinnerungen. Neben den Umzugskartons lehnten gerahmte Fotografien von Ausstellungen. Zeitungsausschnitte. Ein Kunstpreis, sorgfältig in Papier gewickelt. Dinge, auf die sie einmal stolz gewesen war. Sie legte alles behutsam in einen Karton und schloss den Deckel. Früher hätte sie dabei an das gedacht, was sie erreicht hatte. Heute spürte sie nur noch dieses dumpfe Ziehen. Eine Müdigkeit, die nicht im Körper saß. Selbst in den stillsten Momenten schien die Stadt nie wirklich still zu werden. Wie oft hatte sie nachts wach gelegen und bereits ihr neues Zuhause gesehen: die absolute Ruhe, das Reetdachhaus, die weiten Dünen, das Rauschen der Wellen. Sylt war für sie nie nur eine Insel gewesen. Es war ein Gefühl: Weite, unbändiger Wind und die beruhigende Endlosigkeit des Wassers. Ein Ort, an dem ihr Herz langsamer schlug und sie endlich wieder zu sich selbst fand. Die Entscheidung stand fest: Sie würde dorthin zurückkehren. Nicht als Besucherin, sondern um zu bleiben. Doch während sie inmitten der gestapelten Kartons stand, die ihre gesamte Existenz auf wenige Quadratmeter reduzierten, fühlte sich der Aufbruch plötzlich fragil an. War dieser Umbruch, das bewusste Zurücklassen all dessen, was sie bisher ausgemacht hatte, ein Befreiungsschlag oder doch der größte Fehler ihres Lebens? Die Stille in der Wohnung war plötzlich so schwer, dass sie beinahe greifbar schien. Da vibrierte ihr Handy auf einem der Kartons. Eine Nachricht von Rosa: 'Fahr vorsichtig. Der Käsekuchen ist im Ofen.' Und gleich darauf ein zweiter Satz, der fast ihre Stimme hören ließ: 'Aber hetz dich nicht. Er wartet auf dich und ich tus auch.' Lina starrte auf das Display. In diesen einfachen Worten lag eine Wärme, die die Leere der Wohnung augenblicklich verdrängte. Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, das die Anspannung von ihr abfallen ließ. Es war kein Ende, das sie hier hinter sich ließ, sondern ein Anfang. Rosa, ihre Schulfreundin, die seit Jahren auf der Insel lebte, war das Ziel. Lina atmete tief durch, steckte das Handy ein und sah sich ein letztes Mal im Raum um. Jetzt nicht mehr mit Sorge, sondern mit Vorfreude. Rosa hatte Lina immer wieder einfühlsam angestupst, es ihr gleichzutun und nach Sylt zu ziehen. Die beiden kannten sich seit der Schulzeit und obwohl das Leben sie in unterschiedliche Richtungen geführt hatte, war ihre Verbindung nie abgerissen. Sie telefonierten regelmäßig, wussten oft schon am Klang der Stimme, wie es der anderen ging. * Rosa selbst verließ ihr Häuschen nicht oft, höchstens für den Wocheneinkauf in Westerland. Stundenlang konnte sie in ihrem Schaukelstuhl sitzen, einfach auf das Wasser blicken, Leo auf dem Schoß, ihren langhaarigen weißen Kater. Schon von weitem hörte man den Klang ihrer Windspiele am alten, knorrigen Apfelbaum. Am Torbogen beim Eingang hing ein Schild, das sofort ein Lächeln auslöste: Welcome. Ab hier bitte lächeln. Und genau das tat man auch. An diesem Morgen lag eine besondere Aufregung in der Luft. Rosa war nervös, auf eine schöne, fast kindliche Art. Lina kam endlich an. Das letzte persönliche Treffen lag fast zwei Jahre zurück, auch wenn sie mindestens einmal pro Woche telefonierten. Doch eine Stimme am Telefon war nicht dasselbe wie eine echte Umarmung. Heute würde Lina mit Bobby, ihrem kleinen Yorkshire Terrier, im Auto anreisen. Und diesmal blieb sie. Nicht nur für ein Wochenende. Backen war für Rosa fast eine Form von Liebe. Für Lina hatte sie einen salzigen Käsekuchen vorbereitet und schob ihn mit geübter Selbstverständlichkeit in den Ofen. Schon kurze Zeit später zog sich ein warmer Duft nach Käse und Butter durch das ganze Häuschen. Ihr Blick fiel auf die bunte Uhr an ihrem Handgelenk. Schon wieder. Bestimmt zum zehnten Mal heute. Die Klingel riss sie endgültig aus ihren Gedanken. Rosa sprang auf und stürzte zur Haustür. Da stand sie. Lina. Mit einem Lächeln, das Rosa die Kehle zuschnürte und Bobby, der an der Leine nervös von einem Bein aufs andere trippelte. Die beiden Frauen standen einen Moment lang still, dann fielen sie sich in die Arme. Eng, lange, ohne ein Wort. Als Rosa sich schließlich wieder ein wenig fassen konnte, traten ihr Tränen in die Augen. 'Du bist wirklich hier.' Lina lachte tonlos an ihrer Schulter. 'Ich bin hier.' Im nächsten Moment schoss Rosa ein Gedanke durch den Kopf. 'Der Kuchen!' Sie löste sich abrupt aus der Umarmung und eilte in die Küche, während Lina ihr lachend nachsah. Lina hatte die Anfahrt geliebt. Schon auf dem Hindenburgdamm, als ihr Auto über die schmale Landzunge zwischen Festland und Insel rollte, das Watt zu beiden Seiten weit und glänzend in der Nachmittagssonne, hatte sie das Fenster einen Spalt geöffnet, um den ersten Salzgeruch einzulassen. Es war, als würde mit jedem Meter über den Damm etwas von ihr zurückbleiben, das sie nicht mehr brauchte. Die kleinen, zotteligen Heidschnucken am Wegesrand hatten sich von ihrem Cabrio nicht im Geringsten stören lassen. Sie war absichtlich langsam gefahren. Sie wollte diesen Moment festhalten. Jetzt stand sie im Garten und begrüßte Leo, der mit der Selbstverständlichkeit eines alten Bekannten um ihre Beine strich. Bobby brauchte keine zwei Sekunden, dann verschwanden er und der Kater gemeinsam zwischen Hortensien und Dünengras. Lina sah ihnen nach und spürte, wie sich etwas in ihr setzte. Rosa trug das Geschirr in den Garten. Zwischen Tellern und Gläsern lagen Muscheln und Kristalle, behutsam arrangiert. Der Käsekuchen kam noch dampfend aus dem Ofen. Das Geschirr war natürlich rosa. 'Pink makes happy', sagte Rosa und setzte sich. 'Das tut es', sagte Lina. Sie prosteten sich mit einer selbstgemachten Himbeerlimonade zu. 'Auf unser gemeinsames Leben hier auf Sylt.' Sie saßen lange so, die Gläser in der Hand, die Worte weniger werdend, die Stille angenehmer, bis der Abend kühl über den Garten zog. Als Lina schließlich ins Bett fand, war sie so müde, dass sie kaum darüber nachdenken konnte, wie lange sie auf diesen Moment gewartet hatte. Und doch war es der letzte Gedanke, bevor sie einschlief. Sie war angekommen. Am ersten Morgen wachte Lina auf und brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass es kein Traum war. Bobby stupste längst ungeduldig gegen die Bettdecke. Sie sah sich um und musste lächeln. Sie war tatsächlich hier. Sie schlüpfte in ihre Hausschuhe und ging geräuschlos nach unten. Rosa schlief noch. Sie legte Holz in den Ofen, setzte Wasser für Tee auf und ging anschließend mit der dampfenden Tasse und Bobby hinaus in den Garten. Vor ihr lag das Meer. Sie stand einfach da. Sah hinaus auf das bewegte Wasser, auf den Wind in den Dünen, auf dieses stille Versprechen, das nun Wirklichkeit geworden war. Lina setzte sich auf den Schaukelstuhl mit dem Schaffell und spürte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. Genau so fü...
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